Der Tag der Apfelschorlen...
... oder erstens kommt alles anders und zweitens als man denkt!
Eigentlich begann der Tag wie immer, 7:20 Uhr klingelt der Wecker. Waschen, anziehen, ab zum Frühstück, Sachen packen und auf die Piste. Frank legt am ersten Anstieg mal wieder ordentlich vor und um den Vogel noch abzuschießen, telefoniert er dabei auch noch locker. Bei mir macht sich dabei wieder die Dampflok bemerkbar. Da es sich heute um die zweite Extraschleifenetappe handelt, hoffe ich innerlich, dass wir auf die Extraschleife verzichten und direkt ins Hotel einchecken. Den Tag könnten wir auch gut als "Ruhetag" nutzen.
Nach dem ersten Anstieg merke ich aber, dass ich heute "gute Beine" habe. Wir wandern noch ein Stück durch Wald und siehe da, ich komme wirklich immer besser in Tritt. Als es dann aufs offen Feld geht, sagt mir Frank, dass das heute wohl nicht so sein Tag ist. Blauer Himmel und die Sonne knallt schon um 10 Uhr wie bekloppt vom Himmel, heute wird es richtig warm. Man merkt es Frank auch an, sein sonst so gleichmässiger, wenn auch schlagsiger Schritt wirkt heute verkrampft und mühsam.
Kurz vorm Hotel sehe ich, dass auch noch der Akku vom Fotoapparat leer ist. Ist nicht weiter schlimm, in den letzten Tagen war unser Gepäck immer vor uns im Hotel. Also kann der Akku ja laden, während wir uns mit Apfelschorle stärken. Wir haben uns auf dem Weg doch dazu entschlossen die Extraschleife zu laufen.
Am Hotel angekommen stellen wir erstmal fest, dass wir viel zu schnell unterwegs waren. Das Gepäck ist noch nicht da, also muss ich weiter auf Fotos verzichten. Die Preise für Apfelschorle sind hier auch wieder annehmbar und lecker ist sie obendrein auch noch.
Frank hatte es mir auf dem Weg schon gesagt, er will zwar auch auf den Belchen, allerdings mit der Seilbahn. Da ich ja heute meine "guten Beine" habe und mir einbilde, die Dampflok schafft den normalen Anstieg, wähle ich die beschriebene Variante. Immerhin, der Aufstieg ist am Ende mit drei schweren Teilstücken gekennzeichnet! Für Frank sind es 5.5km bis zur Talstation der Seilbahn und für mich 6km bis zur Bergstation.
Am Wegweiser verabschieden wir uns und Frank meint "Ich werde dann bestimmt auf Dich am Belchenhaus eine Weile warten"! Was Frank da noch nicht wusste, Umleitungen sind hier nicht ganz so verständlich ausgeschildert. Ausserdem darf man sie garnicht benutzen, sagen zumindest die Schilder auf denen "Lebensgefahr" steht ;)
Ich trotte also los und schon zu Beginn geht es anständig bergauf. Zwischendurch kommen mal ein paar fiese Stiche, wie ich später sehe, hat auch der erste Abschnitt zwei schwere Abschnitte in der Karte vermerkt. Der Weg wird immer schmaler und die Dampflok ist noch gut in Fahrt. Eigentlich schade, dass ich alleine bin und keine Fotos machen kann. Zwischendurch gibt es immer mal wieder tolle Aussichten ins Tal. Ich schraube mich weiter gen Gipfel und müsste auch bald oben sein! Denkste, plötzlich geht es erstmal wieder bergab! Na toll, ich bin auf den Heidstein gestiegen, nun geht es erstmal wieder ein gutes Stück in Richtung Tal um zum Anstieg auf den Belchen zu kommen. Der Weg ist wild, rechts geht es steil hinunter, links der Berg und mein Pfad ist zwischenzeitlich gerade mal ein Meter breit.
Unten angekommen zeigt mir ein Schild an, 2.5km bis Belchen. Nun beginnt die Tortur erst richtig, das Beste kommt halt zum Schluß! Ich schieb mir noch einen Müsliriegel rein, bisschen Energie für das letzte Stück kann nicht schaden. Danach wird es zeckig, der Aufstieg bietet auf der einen Seiten einen sensationellen Ausblick, ist aber auch für eine dicke Dampflok extrem steil und steinig. Zwangsläufig muss ich auf einem Baumstamm eine Pause einlegen und erstmal die Aussicht genießen. Mein Puls kommt kaum noch runter, ein paar Minuten gönne ich mir hier, ärger mich noch, dass ich keine Kamera dabei habe und dann geht es weiter.
Irgendwann komme ich dann auch oben am Gipfel an und wer ist nicht am Belchenhaus? Frank! Na toll, wo steckt der denn nun, der hatte es doch kürzer als ich?! Als ich mich an die Seilbahn stelle und eine SMS tippe, sehe ich ihn in seinem roten Wanderhemd aus einer der Gondeln winken. Er erzählt mir dann von seinem Irrlauf und von der Umleitung, die so doof ausgeschildert war, dass er erstmal den Waldarbeitern in die Arme gelaufen ist, statt um sie drumrum.
Wir genehmigen uns eine Apfelschorle, Kräutercremesüppchen und eine Rittersport im Belchenhaus, bevor es mit der Seilbahn bergab geht. Denn von der Talstation ist es noch mal ein netter Marsch, bis wir wieder am Hotel sind.
Unsere Serie schlechtes, gutes Hotel wird heute übrigens unterbrochen. Das Hotel ist wieder mal klasse, die Sauna ist schön angelegt und eingerichtet und auch das Essen kann sich sehen lassen. Alles in allem ein gelungener Tag und nun hoffe ich, dass es Frank morgen wieder besser geht.
Morgen werden wir die vorgegebene Route ein bisschen ändern, damit wir noch einen AlpinCoaster fahren können. Der Akku für den Fotoapparat ist auch schon wieder geladen, es wird dann wieder mehr Fotos geben.
















